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Letzte Aktualisierung:
1. Dez. 2011

Ortsname        

Wie Lieblingshof zu seinem Namen kam.

von Uwe Brinkmann


Die Besiedlung unseres Dorfes beginnt, wie in ganz Mecklenburg, mit der Unterwerfung der Wenden durch die Sachsen. Im Jahre 1160 besiegt Heinrich der Löwe den letzten freien Obotritenfürsten Niklot. Damit kommen sächsische Ritter nach Mecklenburg. Sie werden für ihre Treue von Heinrich dem Löwen mit Lehnsrechten ausgestattet. Gleichzeitig erhalten sächsische Bauernsöhne, die auf Grund der Erbfolge keinen eigenen Bauernhof besitzen, das Recht, unkultivierte Flächen urbar zu machen und zu besiedeln. So macht sich auch Anfang des 13. Jahrhundert ein Bauernsohn namens Koke nach Mecklenburg auf und findet am Ende eines toten Wasserarms (heute als Niedermoorwiese erkennbar) ein günstig gelegenes Plateau, um es zu besiedeln. Er nennt die Siedlung Kokedestorph. Das war zu dieser Zeit eine übliche Art der Namensgebung, in dem die Silbe „torph“ (eine bereits im 9. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum verbreitete Bezeichnung für eine Siedlung) und der Nachname des Gründers mit dem Artikel im Genitiv (2. Fall) verbunden wird. Später reduziert sich der Artikel auf den Buchstaben „s“, selten „n“ und aus der Silbe „torph“ wird das noch heute gebräuchliche Wort „Dorf“, also Kokendorf. Kokendorf wird erstmalig 1355 urkundlich erwähnt.
Der Gründer eines Dorfes, auch Lokator genannt, hatte das Recht, weitere Bauern anzusiedeln. Man kann davon ausgehen, dass in Kokendorf 8 Bauern mit ihren Familien lebten. Die Häuser von Kokendorf standen zwischen dem Kulturhaus und dem Gutspark, sowie zwischen der Hofkoppel und der Parkstraße.
Die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Bauern war durch ihre Zugehörigkeit zu einem Hauptgut eingeschränkt. Der Besitzer des Gutes konnte sie zu Hand- und Spanndiensten heranziehen und übte die hohe Gerichtsbarkeit aus. Die meiste Zeit war Gubkow, damals noch Sieden Gubkow genannt, dieses Hauptgut. Sieden Gubkow befand sich an der alten Torfbahn in der Nähe des Gehöftes Grugel, heute Anders.
Von 1439 bis 1704 gehörte Sieden Gubkow der Familie von Preen, Danach wechselte die Zugehörigkeit der Bauern der Ortschaft Kokendorf an den neuen Besitzer Hauptmann von der Hardt (5 Bauern) und an die Familie du Puits aus Wehnendorf bei Niekrenz (3 Bauern). Wer aber war der Gutsbesitzer der seinen Besitz an seinen Lieblingssohn vererbte und unser Dorf Lieblingshof genannt hat? Ist an dieser Geschichte, die uns als Schüler im Heimatkundeunterricht gern erzählt wurde, etwas dran?
Sicher ist, dass die Umbenennung von Kokendorf zu Lieblingshof um 1800 erfolgt. Deshalb ist es sinnvoll, wenn man sich die Besitzer und ihre Familien um diesen Zeitpunkt herum genauer ansieht. Allerdings wechselt Sieden Gubkow zwischen 1798 und 1802 fünfmal den Besitzer und damit auch die Zugehörigkeit von Kokendorf, was die Nachforschungen nicht gerade einfacher macht. Folgende Variante ist aus heutiger Sicht am wahrscheinlichsten: Im Jahre 1799 erwirbt Christian Ludwig Graf von Bothmer Sieden Gubkow. Er ist 26 Jahre alt und ein hoher Militäroffizier in den Diensten des Herzogs von Mecklenburg, bzw. dessen Verbündeter. Das hohe gesellschaftliche Ansehen der Familie von Bothmer ermutigt Christian von Bothmer den Bauern von Kokendorf ihre Eigenständigkeit abzuerkennen und vor die Wahl zu stellen, in die Leibeigenschaft zu gehen oder sich aussiedeln zu lassen. So werden 4 Bauern an den Rand des Camminer Waldes umgesiedelt. Sie nehmen ihren Dorfnamen mit und nennen die Siedlung Neu Kokendorf.
Dieses „Legen der Bauern“ war eine übliche Praxis zur Vergrößerung des Besitzes, bedurfte aber der Zustimmung des Großherzogs. Diese Zustimmung besaß Christian von Bothmer nicht. Er holte die Zustimmung auch nicht ein und verkauft 1802 seinem Pächter Johann Ludwig Hillmann das Hauptgut Sieden Gubkow und das Nebengut Kokendorf, das in der Ausgabe des Mecklenburg-Schwerinschen Staatskalenders von 1801 schon als Lieblingshof bezeichnet wird. Johann Hillmann war bereits Pächter der Vorbesitzer, hatte genug Zeit sich mit der Gegend vertraut zu machen und Pläne für sich und seine Söhne zu schmieden.
Zu diesem Zeitpunkt ist er Besitzer des Gutes Lübzin bei Warnow, das er später seinem ältesten Sohn aus erster Ehe vermacht. Am 28.12.1778 wird sein erster Sohn aus der 2. Ehe, Joachim Heinrich Hermann Hillmann, geboren. Er erhält nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1813 das Gut Lieblingshof und könnte tatsächlich der gesuchte Lieblingssohn sein. Um das Erbe antreten zu können, braucht er die Zustimmung des Herzogs. Mit seinem Ersuchen an die Schweriner Staatskanzlei, fällt den Beamten auf, dass ein Dorf mit Namen Lieblingshof in der Landeshauptstadt völlig unbekannt ist. Joachim Hillman kommt in Erklärungsnot und schiebt die Schuld auf Christian von Bothmer. Das muss ihn entlastet haben, denn 1815 darf er den Lehnseid leisten und mit dem Aufbau beginnen. Er lässt nach und nach die alte Gebäude abreißen und ein völlig neues Dorf entstehen.
Das erste Gebäude mit einem Steindach ist das Haus Scheffler/Kindergarten. Es folgt um 1820 das Gutshaus mit den Wirtschaftsgebäuden. Später erhält unser Ortskern mit den 8 Häusern der Dorfstraße sein heutiges Aussehen. Das erlebt Joachim Heinrich Hillmann nicht mehr. Er stirbt 1823.